Tanja Kreidenhuber

Studentin

Tanja Kreidenhuber studiert seit 2019 Germanistik im Bachelor. Nach einem aufgrund der COVID-19-Pandemie sehr außergewöhnlichen Semester erzählt sie von ihren Erfahrungen als Studentin.

Die meisten von uns haben im vergangenen Sommersemester viel Zeit zu Hause verbracht. Hast du in diesen Monaten ein Buch gelesen, das dich nachhaltig beeindruckt hat?

Hier muss ich tatsächlich sofort an ein bestimmtes Buch denken – Sternstunden der Menschheit von Stefan Zweig. In dieser für uns alle völlig neuen und unbekannten Situation über Augenblicke in der Menschheitsgeschichte zu lesen, die unsere Welt nachhaltig formten, hinterließ bei mir ein Gefühl von Staunen, Größe und auch Ehrfurcht. Vor allem Zweigs Schreibstil in Kombination mit diesen vierzehn Miniaturen konnte mich in dieser Zeit tief in seinen Bann ziehen. Ein höchst empfehlenswertes Buch!

Warum hast du mit dem Studium der Germanistik begonnen?

Deutsch war in den Jahren meiner Schulzeit neben Kunst immer mein absolutes Lieblingsfach – ich spürte mein großes Interesse an der Geschichte der Künste, vor allem wenn es um Literatur und um große Schriftstellerinnen und Schriftsteller ging. Seit ich in der Volksschule plötzlich verstanden habe, dass all die tollen Bücher, die ich so mochte, von realen Personen geschaffen worden waren und Autorinnen und Autoren ihre Geschichten so mit aller Welt teilten, wusste ich, dass nun ein Ziel fürs Leben für mich gesteckt war: Ich wollte selbst schreiben. Und das tat ich von da an unablässig – zuerst in ziemlich unleserlicher Schrift auf Zeichenblöcken, immer meine Eltern fragend, ob man auch, ohne auf dem Computer tippen zu müssen, ein Buch veröffentlichen könne. Später war der Computer dann da und auch all die Möglichkeiten, sich immer wieder auf unterschiedlichste Art und Weise kreativ auszudrücken und vor allem Inspiration aus der Umwelt zu schöpfen. Ich merkte: Unsere Kultur, unsere Geschichte und vor allem aber das aktuelle Weltgeschehen interessierten mich sehr. Mit achtzehn wusste ich schließlich, dass ich gerne in der Journalismus-Branche arbeiten würde. Ich hatte das große Glück, einen tollen Deutschlehrer zu haben, der sich mit meinen Ambitionen auseinandersetzte und mir schließlich das Germanistikstudium ans Herz legte.

Und hat das Studium im BA Germanistik deinen Erwartungen bislang entsprochen? Gab es Überraschungen?

Überraschungen gab es dahingehend, dass ich mir zu Beginn des Germanistikstudiums unter „Sprachwissenschaft“ nicht wirklich etwas Genaues vorstellen konnte, darüber aber bereits jetzt eine Fülle an Wissen kennengelernt habe, die mich den Sprachalltag plötzlich mit ganz anderen Augen sehen lassen. Was die Auseinandersetzung mit Literatur- und Kulturgeschichte angeht, entspricht das Germanistikstudium genau meinen Erwartungen – es ist unglaublich interessant gleichermaßen über den Einfluss der jeweiligen Zeit auf die Literatur und den Einfluss der Literatur auf die Gesellschaft zu lernen und sich damit aktiv auseinandersetzen zu können.

Wie hat sich die COVID-19-Pandemie auf deinen Alltag als Studentin ausgewirkt?

Um ehrlich zu sein, hat sie sich sehr stark auf meinen Alltag als Studentin ausgewirkt – was ich anfangs gar nicht gedacht hätte. Denn da war plötzlich die Nachricht: Lockdown. Universitäten ab 10. März geschlossen. Das hat nicht nur Studentinnen und Studenten wie mich vor den Kopf gestoßen, sondern die gesamte Universitätsgemeinschaft. Professorinnen und Professoren mussten sich auf einmal darauf einstellen, ihre Vorlesungen online abzuhalten, und das lief dann überall ganz unterschiedlich ab, auch was die Geschwindigkeit der Anpassung an diese neue Situation anging. Zuerst war es also fast wie eine Verschnaufpause – obwohl das Semester ja gerade erst gestartet hatte. Der plötzlichen Ruhe, die da eintrat, stand aber die große Unruhe entgegen, die sich schlagartig bildete: Das Coronavirus war jetzt wirklich in Österreich angekommen und warf unzählige Fragen auf. Eine neue Routine war für mich persönlich schnell gefunden, auch der Austausch mit meinen Studienkolleginnen und -kollegen blieb und wurde von Tag zu Tag stärker, da wir alle uns dieselben Fragen stellten. Wie lange würde der Lockdown dauern? Würden wir in diesem Semester die Uni noch einmal persönlich besuchen können? Wie würden nun die Prüfungen gehandhabt werden? Wie würde man selbst mit dem Online-Unterricht klarkommen? Ich hatte das Gefühl, dass wir uns alle in unserer gemeinsamen Unsicherheit gegenseitig Sicherheit gaben, uns auf diese neue Situation einzulassen. Das stärkte mich auf Dauer sehr. Die Corona-Krise löste nämlich viele neue Gedankenprozesse aus, gab den Weg frei für neue Betrachtungsweisen und führte auch zu neuer Kreativität und einer gewissen Spontaneität. Aber vor allem führte sie für mich persönlich zu Dankbarkeit. Ich war und bin dankbar dafür, die Corona-Krise innerhalb der Sicherheit eines Zuhauses erleben und die Zeit mit meinen Liebsten noch einmal mehr wertschätzen zu können, und dafür, die Möglichkeit zu haben, weiter meine Ziele verfolgen zu können – nicht überall auf der Welt können das die Menschen.

 

Hast du einen Tipp, was man im Sommer in Salzburg keinesfalls versäumen sollte?

Keinesfalls versäumen sollte man meiner Meinung nach, nach dem Lockdown Salzburg wieder bewusst zu genießen: Sich die Zeit zu nehmen, die Stadt vielleicht wieder neu zu entdecken, die Kunst, die Kultur und die Geschichte nach und in dieser für uns alle so anderen Situation wieder auf eine frische Art und Weise, aus einem neuen Blickwinkel und mit einem vielleicht neuen Gefühl von Dankbarkeit zu erfahren. Ob es eine Stunde im Mirabellgarten mit einem guten Buch, das Verfolgen der Stolpersteine auf den Straßen oder ein Ausflug in die Altstadt ist – in Salzburg gibt es so viel zu entdecken und zu genießen, das sollte man vor allem an schönen Sommertagen ausnutzen.