Linda Beutel

2020-12-03T17:47:17+01:00

Was ist und macht eigentlich ein*e Studienassistent*in?

Linda Beutel studiert nicht nur Germanistik, sondern sie ist auch Studienassistentin am Interdisziplinären Zentrum für Mittelalter und Frühneuzeit (IZMF). Sie verrät uns heute, was sie am Mittelalter – abseits von Drachen und Zauberern – fasziniert, und gibt einen Einblick in ihre vielfältigen Aufgabenbereiche.

Traumstudent*innenjob Studienassistent*in? Würdest du dem zustimmen?

Persönlich kann ich dem voll und ganz zustimmen. Aufgrund des Arbeitsplatzes an der Universität lässt sich der Arbeitsalltag ungemein gut mit dem Studium koordinieren. Zum einen hat man keine zusätzlichen Wege und zum anderen kann man die Arbeitszeiten dem eigenen Stundenplan weitestgehend anpassen. Außerdem sind die Aufgaben sehr eng mit meinen persönlichen Interessen vernetzt und ich bekomme genauere Einblicke in die Tätigkeiten der Professor*innen.

Dass eine Studienassistenz für jeden ein Traumjob ist, glaube ich nicht. Man sollte sich gut organisieren und selbständig arbeiten können, ansonsten verliert man schnell den Überblick. Außerdem sollte man auch Interesse an dem universitären Alltag haben. Wenn man z.B. ungern alleine arbeitet und nicht so gerne den ganzen Tag am Schreibtisch sitzt, befürchte ich, dass schnell die Freude an der Erledigung der Aufgaben abnimmt.

Warum hast du dich als Studienassistentin beworben?

Weil mir schon im ersten Studienjahr klar geworden ist, dass ich nach meinem Studium gerne in der Forschung arbeiten möchte. Da erschien mir eine Bewerbung als Studienassistentin als erster Schritt in die richtige Richtung. Rückblickend betrachtet, kann ich nur sagen, dass es diesem Wunsch sicher nicht abträglich war.

Was fasziniert dich an der Mediävistik?

Puh, das ist wirklich eine gute Frage und ich bemühe mich, das so kurz wie möglich zu beantworten… Das ‚Mittelalter‘ hat mich eigentlich schon früh begeistert. Die Vorstellungen, die ich damals hatte, waren jedoch alles andere als historisch korrekt, sondern mehr geprägt von fantastischen Märchen und Geschichten von Hexen und Zauberern. In meinen Teenager-Jahren bin ich dann in Kontakt mit der ‚Mittelalter-Szene‘ gekommen, habe Mittelaltermärkte besucht und bin großer Fan von mittelalterlicher Musik geworden. Auch wenn mir heute bewusst ist, dass die Darstellungen in Literatur, Musik und Spektakel meist nicht sonderlich ‚authentisch’ sind, ist die Begeisterung für die dort bedienten Motive geblieben. Die Ursprünge jener Motive untersuchen zu können, hat mein Interesse an der germanistischen Mediävistik geweckt. Nachdem ich mich jetzt einige wenige Jahre mit der Forschung beschäftigt habe, hat sich dieses Interesse über diese Motive hinaus natürlich ausgebaut. Mir ist bewusst geworden, dass diese Darstellungen meist mehr als nur Drachen, Zauberer oder Ritter zum Thema haben.

Wie sieht eine normale Woche bei dir aus, was sind deine Aufgaben?

Tatsächlich sieht jede Woche anders aus, da auch immer wieder neue Aufgaben auf mich zukommen. Vor kurzem hat das IZMF z.B. eine neue Website veröffentlicht. Dabei war meine Aufgabe, die Inhalte der alten Homepage auf die neue zu kopieren, aufzubereiten und ins Englische zu übertragen. Nachdem das nun alles erledigt ist, müssen die Beiträge natürlich auf dem neuesten Stand gehalten werden. Auch die Aktualisierung unserer Social Media-Accounts fließt in diesen Aufgabenbereich mit ein. Ansonsten übernehme ich auch die Organisation der Treffen und Tagungen des Zentrums oder des Doktorats-Kollegs. Dazu gehört die Buchung von Räumen und Hotelzimmern, Budgetkalkulationen, Organisation von Verpflegung usw. Außerdem kümmere ich mich um die Ablage und solche Sachen wie Druckaufträge, Erstellung von Postern und Foldern und die Beantwortung von Fragen, die die Studienergänzung (Interdisziplinäre Studien zu Mittelalter und Frühneuzeit) betreffen. Meine Aufgaben fallen also im Großen und Ganzen in den Bereich der Administration, der Öffentlichkeitsarbeit und des Eventmanagement.

 

Linda Beutel

Linda Beutel2020-12-03T17:47:17+01:00

Irmtraud Kaiser

2020-08-04T10:04:39+02:00

Irmtraud Kaiser

Irmtraud Kaiser ist Universitätsassistentin für germanistische Sprachwissenschaft. In diesem Gebiet erhielt sie 2016 auch den Hugo-Moser-Förderpreis. Die stellvertretende Fachbereichsleiterin und ‚Heldin der Fernlehre‘ weiß, was in unseren Köpfen vor sich geht, wenn wir Sprachen lernen und rät uns, immer wieder über den Tellerrand hinauszublicken.

Du forschst und lehrst unter anderem in den Bereichen Leseverstehen und Deutsch als Fremd- bzw. Zweitsprache. Was interessiert dich daran besonders?

Mich interessiert Sprache nicht (nur) als abstraktes System, sondern vor allem als etwas, das Menschen (und damit v.a. Gehirne) lernen und anwenden. Das verbindet eigentlich alle meine Forschungsinteressen. Besser verstehen zu wollen, was wir (kognitiv und sozial) tun, wenn wir Sprache verwenden, sei es beim Lesen, beim Lernen einer neuen Sprache oder bei der (bewussten oder unbewussten) Wahl einer Sprachvarietät, treibt mich an und fasziniert mich. Wenn wir das verstehen, können wir auch besser verstehen, warum Sprache so funktioniert, wie sie es tut. Und weil ich glaube, dass das z.B. auch für angehende (Deutsch-)LehrerInnen ganz zentral ist, lehre ich auch gerne zu diesen Themen 🙂

Warum ist es für viele Schüler*innen eigentlich so schwer, (deutsche) Grammatik zu lernen?

Diese Frage klingt simpel, hat aber mehrere verschiedene Ebenen, auf die ich eingehen muss!

Denn was meinen wir überhaupt, wenn wir „Grammatik lernen“ sagen? Geht es darum, dass jemand grammatisch korrekt sprechen oder schreiben kann? Oder geht es darum, dass jemand etwas über die deutsche Grammatik weiß und darüber (evtl. auch mit den korrekten Termini) Auskunft geben kann?

Das grammatische System unserer Erstsprache (sei es österreichisches Standarddeutsch, ein bestimmter Dialekt oder irgendeine andere Sprache/Varietät) lernen wir ja ‚automatisch‘ – es ist ein jahrelanger Prozess, wird aber normalerweise nicht als mühsam empfunden, weil wir uns damit in der Regel nicht bewusst beschäftigen müssen. Anders sieht es aus – das wissen wir alle –, wenn ich eine Fremdsprache lerne oder auch, wenn ich konzeptionell schriftliche Texte in korrektem Standarddeutsch schreiben soll. Auch da geht vieles ‚nebenbei‘, wenn ich viel passenden ‚Input‘ bekomme, also z.B. viel (Anspruchsvolles) lese (Fachtexte, Literatur), aber eben nicht alles und nicht für alle gleich gut, selbst wenn Deutsch die Erstsprache ist.

Eine noch einmal ganz andere Geschichte ist das „Wissen ÜBER Grammatik“. Grammatik scheint nicht nur bei Schüler/inne/n, sondern sogar bei Germanistik-Studierenden einen schlechten Ruf zu haben 😉 Das hat wohl u.a. damit zu tun, dass meiner Meinung nach in der Schule wahrscheinlich zu früh mit ganz abstrakten Themen (wie Wortarten und Satzgliedern) begonnen wird, und diese auch ganz abstrakt (und häufig auch nicht sprachwissenschaftlich korrekt) vermittelt werden und die Schüler/innen häufig auch nicht wissen, was das mit ihrer eigenen Sprachverwendung zu tun hat. Dabei wäre es aus meiner Sicht sinnvoller, zunächst nur anwendungsbezogene Grammatik in der Schule zu unterrichten (z.B. wie erkenne ich Wörter, die ich großschreiben muss; wie finde ich heraus, wo ich einen Beistrich setzen muss; wie kann ich meine Sätze/Texte abwechslungsreich gestalten). In der Oberstufe dann wären die meisten kognitiv so weit, sich auch auf abstrakterer Ebene mit Grammatik auseinanderzusetzen, aber da wird das ja nach momentanem Lehrplan nicht mehr gemacht. Dabei gäbe es da durchaus spannende Themen und Methoden. (Ihr seht, über dieses Thema könnte ich mich noch länger auslassen…).

Du wurdest von der Studienrichtungsvertretung Lehramt als „Heldin der Fernlehre“ prämiert – was sind deine Tipps für Lehren und Studieren in Zeiten des ‚social distancing‘?

Ich muss sagen, ich habe das Semester als extrem anstrengend, herausfordernd und die Lehre für mich persönlich als nicht so befriedigend empfunden wie sonst, obwohl ich mich sehr bemüht habe. Umso mehr hat mich der Preis gefreut, der mir gezeigt hat, dass meine Bemühungen wahrgenommen wurden und manches auch in der Wahrnehmung der Studierenden gut geklappt hat.

Tipps möchte ich nicht direkt geben, aber ich kann sagen, was für mich gut funktioniert hat. Ich habe von Anfang an versucht, immer den Kontakt zu den Studierenden zu halten und viel mit ihnen zu kommunizieren – über viele Mails, Ankündigungen und klare Instruktionen auf Blackboard etc. Ich glaube, dass sich einige Studierende sehr verloren gefühlt haben ohne die normale Zeitstruktur und den direkten Kontakt zu KollegInnen und den Lehrenden. Ich habe versucht, den ‚Stoff‘, das Material und die Aufgaben dazu so abwechslungsreich zu gestalten, wie es eben unter den Umständen ging, also nicht nur Lesestoff zu geben, sondern (von mir besprochene) Powerpoints, Videos, später eben dann auch von Studierenden gestaltete Präsentationen, Blackboard-Quizzes, Lese-Tagebücher, ‚Lern-Module‘ auf BB, Diskussionsforen usw. Da habe ich jede Woche selbst ein bisschen was dazugelernt. Das große Manko der Online-Lehre ist und bleibt für mich aber die fehlende unmittelbare Face-to-face-Interaktion in der Gruppe und die kann man meiner Meinung nach (noch) mit keinen technischen Mitteln der Welt adäquat herstellen. Deshalb hoffe ich, dass es im Wintersemester wenigstens teilweise mit der Präsenz-Lehre klappt.

Was würdest du jedem Studienanfänger, jeder Studienanfängerin mit auf den Weg geben wollen?

Schau auch mal über den Tellerrand und hör dir Lehrveranstaltungen an, die du nicht unbedingt brauchst, aber die dich interessieren könnten. Hab den Mut, auch Unbekanntes auszuprobieren. Aber studiere letztlich nur das Fach bzw. die Fächer, die dich wirklich interessieren und die deinen Ehrgeiz und deine Begeisterung wecken!

Meine Lieblingsserie ist…

… da gibt es einige. Ich mochte z.B. Breaking Bad, House of Cards (außer die letzte Staffel, da hab ich aufgegeben), Downton Abbey, aber auch schräge und/oder ‚leichte‘ Sachen wie The Big Bang Theory, Santa Clarita Diet oder Unbreakable Kimmy Schmidt. Ich hab auch alle Staffeln von Friends zuhause und finde sie immer noch gut 🙂 Ein paar gute österreichische Sachen gibt es auch: Braunschlag, MA 2412 und die beste Serie bleibt sowieso Ein echter Wiener geht nicht unter.

Das beste schlechte Buch, das ich gelesen habe, war…

… Bad Science von Ben Goldacre (ein tolles Buch über schlechte Wissenschaft)

Mehr zu Irmtraud Kaiser

Irmtraud Kaiser2020-08-04T10:04:39+02:00

Uta Degner

2020-07-31T14:31:05+02:00

Uta Degner

Uta Degner

Uta Degner ist assoziierte Professorin für Neuere deutsche Literatur. Sie hat sich im Herbst 2019 mit der Arbeit ‚Die Erfindung des Unmöglichen. Elfriede Jelineks ästhetische Inventionen‘ habilitiert.

Das letzte Buch, das mich fasziniert hat, ist…

… Elena Ferrantes Neapel-Romane.

Mein Lieblingsort in Salzburg ist…

… die Stadtbibliothek in Lehen.

Zum Kaffee esse ich am liebsten…

… Apfelstrudel!

Was hast du studiert und wie bist du an die Uni Salzburg gekommen?

Ich habe Germanistik, Italianistik und Philosophie studiert (und zwei Semester Anglistik). Dass ich nach meiner Promotion in Salzburg gelandet bin, war Zufall: ich war an der FU Berlin in einem Drittmittelprojekt beschäftigt.

Da ich in Berlin keine längerfristige Perspektive hatte, war ich sehr froh, dass es damals – vor exakt zehn Jahren! – mit Salzburg geklappt hat. Meine neuen Salzburger Kolleginnen und Kollegen haben mich gleich sehr freundlich und herzlich aufgenommen und ich habe hier viele österreichische Autorinnen und Autoren, die mich schon vorher begeistert haben, noch besser verstehen gelernt und manche auch neu entdeckt; Trakl zum Beispiel, dessen Geburtshaus am Waagplatz eine ganz tolle Ausstellung zu seinem Leben und Werk bietet und dessen Dichtung man an vielen Orten der Stadt in Form von Gedichttafeln begegnet.

Meine Habilschrift zu Elfriede Jelinek hat von dem Standort Österreich sehr profitiert, glaube ich. Ich hatte Jelineks Stück Burgtheater, das ja in einer Art Wiener Dialekt geschrieben ist, in meiner Berliner Zeit gelesen und vieles schon sprachlich gar nicht verstanden; nach ein paar Jahren Salzburg war das anders.

 

Wenn du deine Habilitation in einem Satz zusammenfassen müsstest, was würdest du sagen?

Die Arbeit präpariert die ästhetische Logik von Texten Elfriede Jelineks heraus – vor dem Hintergrund von zentralen Entwicklungen des literarischen Feldes ihrer Zeit.

Woran arbeitest du gerade?

Ich überlege gerade, ob die Kategorie der ‚Anagnorisis‘ (griech. Wiedererkennung) für die Beschreibung der Eigenart (bestimmter) literarischer Texte, auch von Prosa und Lyrik, fruchtbar gemacht werden könnte – bin damit aber noch ganz am Anfang.

In nächster Zeit will ich mich außerdem mehr mit Ingeborg Bachmann beschäftigen; in den letzten Jahren wurden immer wieder bislang unveröffentlichte Texte und Briefwechsel aus dem Nachlass publiziert, die neue Perspektiven eröffnen; die Salzburger Bachmann-Edition wird da wohl noch einige Schätze heben.

Welches Buch sollte wirklich jede_r Germanist_in gelesen haben?

Aristoteles: Poetik (bei Reclam für 5 € zu haben, in der Übersetzung von Manfred Fuhrmann)

Weitere Infos

Uta Degner2020-07-31T14:31:05+02:00
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