Im Ausland unterrichten

Maria Öller ist Lektorin im Rahmen des Lektoratsprogramms des Österreichischen Austauschdiensts (OeAD). An der schottischen University of St Andrews unterrichtet sie sowohl deutsche Sprache, als auch Literatur und Landeskunde, was im Moment nur online möglich ist. Im Gespräch erzählt sie von der abwechslungsreichen Aufgabe, ‚Österreich‘ an einer ausländischen Universität zu repräsentieren.

Du bist Lektorin an der University of St Andrews. Kannst du ein paar Episoden aus deinem Arbeitsalltag berichten, die besonders lustig und herausfordernd waren?

In einer für mich amüsanten Stunde übten die Studierenden Streitgespräche. Diese Aufgabe stellte sie vor eine große Herausforderung, denn viele waren viel zu höflich, um sich miteinander zu streiten. In einer Fremdsprache streiten oder diskutieren zu können, muss auch gelernt sein.

Eine weitere Situation, die mir in positiver Erinnerung geblieben ist, war die Organisation des Literaturwettbewerbs writeAUT, der jedes Jahr von den Lektor*innen in Großbritannien und Irland durchgeführt wird. Studierende können hier Texte zu einem vorgegebenen Thema verfassen und einreichen. Als Lektorin biete ich während des Schreibprozesses Unterstützung an und es war für mich selbst sehr schön zu erleben, wie die Studierenden abseits des „Pflichtprogrammes“ im Unterricht sprachlich kreativ werden.

Warum hast du dich für dieses Programm beworben?

Ich habe während des Studiums schon Deutsch als Fremdsprache unterrichtet und dieser Bereich hat mir immer Spaß gemacht. Nach einem Unterrichtspraktikum in Finnland, das ich ebenfalls über den Österreichischen Austauschdienst absolvierte, wurde ich dann auf das Lektoratsprogramm aufmerksam. Mir gefiel die Gelegenheit, nochmal eine Zeit im Ausland zu leben und zu arbeiten, und ich fand die Rolle als Lektorin spannend, da ich hier für viele Studierende Österreich repräsentiere. Das regt mich auch selbst an, mich mit meinem eigenen Bild vom Land auseinanderzusetzen und zu reflektieren, was ich meinen Lernenden weitergebe.

Nach der schriftlichen Bewerbung werden alle zu einem Gespräch eingeladen. Wie hast du dich darauf vorbereitet?

Der OeAD gibt im Vorfeld des Gespräches einen groben Ablauf bekannt, was die Vorbereitung auf das Gespräch sehr erleichtert. Neben Fragen zur eigenen Studien- und Berufserfahrung sollte man über die Bildungssysteme und Hochschullandschaften in den angestrebten Zielländern informiert sein und wissen, mit welchen Partnerinstitutionen in Österreich oder im Gastland man später bei Projekten zusammenarbeiten könnte. Außerdem habe ich mich im Vorfeld mit für mich interessanten Themen für den Unterricht und deren Umsetzung auseinandergesetzt.

Stolperst du manchmal über Sprachkonstruktionen des Deutschen, die dich selber verwundern?

Ja, das kommt eigentlich ganz oft vor und ist ein Grund dafür, warum der Unterricht auch für mich spannend bleibt. Durch die Fragen von Studierenden gewinne ich immer wieder neue Einblicke in die deutsche Sprache. Manchmal habe ich dann im ersten Moment selbst keine ausreichende Erklärung bereit und muss mich genauer mit den sprachlichen Konstruktionen auseinandersetzen. Ein Themenbereich, der sehr oft angesprochen wird, sind Modalpartikel (wie z.B.doch im Satz „Geh doch in die Bibliothek!“). Sie fallen den Studierenden sehr früh auf, da sie im mündlichen Sprachgebrauch vergleichsweise oft auftreten. Ihre Bedeutung zu erklären stellt mich jedes Mal wieder vor eine Herausforderung, lädt aber auch zu spannenden Sprachvergleichen ein.

Um als Lektor*in an eine ausländische Universität zu gehen, muss man vorab ein mehrstufiges Bewerbungsverfahren durchlaufen, wie sieht das aus?

Das Verfahren beginnt mit einer umfassenden schriftlichen Bewerbung, die man über das Online-Portal des OeAD einreichen muss. Man verfasst ein Motivationsschreiben, reicht zwei Empfehlungsschreiben ein und beschreibt Ideen zur eigenen Unterrichtstätigkeit, Forschung und Weiterbildung. Alle Bewerber*innen nehmen dann an einem Vorauswahlgespräch vor einer Kommission in Wien teil. Absolviert man diesen Teil der Bewerbung erfolgreich, kann man sich im Anschluss auf ausgeschriebene Stellen an bis zu drei Universitäten bewerben. Die Auswahl der Lektor*innen erfolgt dann durch die Universitäten selbst.